Oft nutzen dabei Erwachsene die Verletzlichkeit von Kindern und Heranwachsenden aus und fügen Ihnen durch unerlaubte Berührungen tiefe seelische Verletzungen zu. Es gibt kaum sexuelle Übergriffe, die nicht zu einer langanhaltenden Traumatisierung des Opfers führen.
Hier sollen Sie daher mehr über die Folgen und Hilfen bei solcherart Traumatisierung erfahren. Denn - Sie sind nicht allein und es ist möglich, auch solche Wunden heilen zu lassen! Aufklärung und Information sind dazu die ersten und wichtigsten Schritte.
Merkmale und Folgen der Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch
Manche Menschen tragen diese Erfahrungen wie ein Geheimnis tief in sich vergraben mit sich durchs Leben. Doch ähnlich einer schlecht verbundenen Wunde eitert das Trauma in der Tiefe weiter und beginnt den Körper zu vergiften. Aus jungen lebensfrohen Mädchen werden manchmal in sich gekehrte, ängstliche, selbstunsichere Frauen.
Doch sexueller Missbrauch ist nicht auf Frauen als Opfer beschränkt. So wie auch Männer zu Opfern werden, können auch Frauen, Mütter, Tanten die Täter sein. Wenn im folgenden meist von Frauen als Opfer gesprochen wird, trägt dies dem Umstand Rechnung, das dies die Gruppe ist, mit der ich vornehmlich in meiner Praxis zu tun habe. Männer als Opfer sind dabei jedoch immer ausdrücklich eingeschlossen, zudem sich Symptomatik und Folgen hier - allen Klischees zum Trotz -kaum unterscheiden.
Die Merkmale sexueller Traumatisierung entsprechenweitgehend den generell unter Trauma besprochenen Symptomen. Hier sind diese Symptome aber enger mit dem sexuellen Erleben verknüpft. Das heisst, Opfer von Missbrauch erleben oft eine eingeschränkte oder gar keine Sexualität, ebenso aber ist auchPromiskuität oder das Abrutschen ins Milieu bzw. Aufrechterhalten der Missbrauchsdynamik möglich.
Viele Menschen, die missbraucht wurden, erleben folgende Symptome besonders häufig:
- Depressivität oder Angststörungen (oft unerklärliche Panikstörungen)
- Selbstabwertung bis hin zur Selbstaufgabe, unerklärlicher Selbsthass, Schuld- oder Schamgefühle
- Selbstverletzendes Verhalten ( Ritzen, Brennen, auch Esszwänge, Extremsport, Kaufsucht oder andere Süchte)
- Probleme in Partnerschaft und Sexualität (z.B. Gefühl von Ekel oder "Pflicht", erhöhte Verletzlichkeit)
- "Opferdenken" (die Welt ist schlecht, es gibt keine Hilfe für mich, alle wollen nur manipulieren)
- Hass oder Glorifizierung (Schönreden) des Täters
- Dissoziationserleben (fremd fühlen im Körper, wegdriften, sich aus der Vogelsperspektive betrachten)
- Gefühl innerer Lähmung ("Totstellreflex")
- ausgeprägtes Vermeidungsverhalten
Nicht alle Symptome müssen bei jedem Betroffenen gleich stark ausgeprägt sein. Manche Betroffenen können auch Jahrzehnte ein"normales" Leben führen, bevor die Erinnerung zurück ins Gedächnis schiesst. Andere wiederum leiden an vielfältigen Problemen, werden teilweise auch auf diese behandelt, ohne einen Zusammenhang zur zugrundeliegenden Missbrauchserfahrung herstellen zu können. Die Fehlbehandlung von Traumaopfern ist wegen der Scham bzw. vielfältiger Verdrängungsmechanismen aber auch der Unkenntnis mancher Therapeuten leider sehr hoch.
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Wie können Sie sich selber helfen?
10 Hilfen zur Selbsthilfe nach der Erfahrung von sex. Missbrauch
(Furchert 2005)
1. Sexueller Missbrauch ist in jeder Hinsicht eine vom Gesetz geahndete Straftat. Egal was man Ihnen einzureden versuchte oder noch versucht - Sie sind das Opfer!
2. Als Opfer tragen Sie keine Schuld!
3. Selbst wenn Sie von Schuldgefühlen gequält werden, weil Sie glauben es zugelassen, geduldet, provoziert usw. haben - Schuld hat in diesem Fall einzig der Täter!
4. Schuld- und Schamgefühle gehören jedoch zur Missbrauchsdynamik dazu. Damit versucht sich das Opfer das Unfassliche zu erklären. Diese Gefühle sind damit nicht Ursache sondern bereits Folge des Missbrauchs!
5. Brechen Sie aus dieser Dynamik der Angst und des Schweigens aus! Ziehen Sie Menschen ins Vertrauen, nutzen Sie die zahlreichen Hilfsangebote, bleiben Sie nicht allein mit diesem Schrecken!
6. Brechen Sie, wenn immer möglich den Kontakt zu den Tätern ab!!!
7. Suchen Sie gezielt nach einer Traumatherapie. Suchen Sie solange, bis Sie den geeigneten Therapeuten gefunden haben, der darauf spezialisiert ist und dem Sie vertrauen.
8. Wechseln Sie ihre Brille...
Menschen die zu Opfern wurden, sehen oft die Welt einzig aus dieser Perspektive. Für eine Heilung ist es aber wichtig, dass Sie wagen, diese Sicht zu durchbrechen. Suchen Sie deshalb gezielt nach positiven und hilfreichen Berichten über geglückte Traumatherapie, gehen Sie zu Stellen, die sich auf diese Problematik spezialisiert haben. Dies bewahrt sie vor weiteren Negativ-Erfahrungen mit der Welt oder dem Psychiatriesystem.
9. Egal wie alt Sie sind, egal wie lange Sie das Schweigen in sich vergraben haben - zerbrochene Herzen und gebrochenes Vertrauen können heilen. Auch bei Ihnen.
10. Haben Sie Mut. Damit gehen Sie den ersten Schritt, die innere Dynamik zu durchbrechen, die sich seit dem Trauma in Ihnen fortsetzt.
(c) Furchert 2005
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