Deshalb scheint es mir notwendig, Frauen, die über einen Abbruch nachdenken, bzw. unter einem solchen Eingriff heute leiden, hier Informationen zur Aufklärung und Hilfe zur Verfügung zu stellen.Übrigens richtet sich diese Seite auch an Sie, die Väter. Studien zeigen, dass der Eingriff umso traumatischer wirken kann, je weniger die Frau wirklich dazu bereit ist. Wurde hier also zu einer Entscheidung gedrängt, belasten später oft Schuldzuweisungen oder - gefühle die Partnerschaft.
Aber auch Väter leiden, wenn die Entscheidung nicht in ihrem Sinne war oder sie sich erst nachträglich der Konsequenz des Eingriffes bewusst geworden sind.
Was macht es so schwierig für die Partnerschaft?
Ein Kind zu verlieren ist bereits eine schwere Herausforderung für eine Mutter, einen Vater, eine Partnerschaft. Miteinander trauern und weiterleben zu können ist oft eine schwierige Gradwanderung. Ein Kind durch einen Abbruch zu verlieren, macht Trauer jedoch fast unmöglich. Paare, für die es von Anfang an die richtige Entscheidung war, haben nicht das Gefühl, etwas verloren zu haben.
Die anderen aber leiden, meist still und einsam. Denn wie kann man über etwas trauern, dass man selbst hergegeben hat? Wie kann man einander den Schmerz mitteilen, ohne sich gegenseitig Schuldvorwürfe zu machen? Wie kann man miteinander um das Verlorene trauern?
Das sind die Fragen, die sich Paare stellen müssen, die Ihre Entscheidung in Nachhinein anzweifeln oder bedauern. Oder jene, die zwar damals keinen anderen Ausweg sahen, aber trotzdem bis heute keine Ruhe darüber finden konnten.

Was macht es so schwierig für die Mutter?
Die Entscheidung:
Wie gesehen, ist der Eingriff besonders schwer zu verkraften, wenn eine Frau ihn gegen ihren Willen durchgeführt hat. Zwar betonen Medien und Frauenrechtlerinnen immer wieder die Freiheit der Frauen für ihren Bauch, leider sieht die Realität der Frauen, die sich bei mir melden, oft anders aus. Oft kommen sie aus guten Verhältnissen, einer Partnerschaft, eigentlich hat alles gestimmt - bis aufs timing. Frauen klagen mir, sie haben dennoch keinen einzigen Menschen gefunden, der das Kind zum 'falschen Zeitpunkt' unterstützt hätte. Die Möglichkeit des Abbruchs bringt viele Frauen in Gewissensnöte. Sie fühlen sich zu Entscheidungen gedrängt, die natürlichen Bedürfnisse und Empfindungen werden zurück geschoben. Fragen danach, ob es ein Wunschkind ist, ob es in die beruflichen und privaten Planungen passt, gewinnen an Einfluss.
Hier ist nicht der Ort, das Problem ethisch zu entscheiden. Alles, was ich möchte, ist das ethische Dilemma aufzuzeigen, in das Frauen oft kommen oder gedrängt werden, ebenso die Väter. Besteht die Möglichkeit zum Abbruch, kommen Menschen nicht selten in Entscheidungsnöte. Frauen fühlen sich den Umständen oder dem Kindsvater gegenüber schuldig, wenn Sie sich für das Kind entscheiden wollen. Genauso fühlen sie sich sich selbst und dem Kind gegenüber schuldig, sich gegen das Kind zu entscheiden.
Eine Freiheit, die weh tut. - - -
In einem solchen Geflecht aus Interessen und Gefühlen die 'richtige Entscheidung' zu treffen ist eine große Herausforderung, manchmal ist sie zu groß.
Nach dem Eingriff:Ich habe von Frauen gehört, die eigentlich schon vor der Narkose wussten, dass es nicht richtig ist. Die gerne noch davon gelaufen wären. Von Vätern, die Zweifel bekamen, aber es nicht mehr stoppen konnten. Diese Menschen stehen besonders in der Gefahr, den Eingriff und seine Folgen nicht einfach so 'wegstecken' zu können.
Frauen, die hier gegen ihre Intuition entschieden haben, erleben die Zeit nach dem Eingriff als besonders schlimm, manche als traumatisch. Sie trauern heimlich, weil eine öffentliche Trauer nicht möglich ist. Sie denken die Dinge immer wieder durch, fangen an zu grübeln und zu hadern. Da die Entscheidung nicht mehr rückgängig zu machen ist, scheint es keine Lösung zu geben. Manche Frauen erzählten mir, sie konnten sich nicht mehr erlauben, glücklich zu sein, da sie es ihrem Kind auch nicht erlaubt haben.
Daneben ist ein solcher Eingriff auch Stress für den Körper und die Psyche einer Frau, schlicht, weil es ein chirurgischer Eingriff ist. Aber es ist nicht "nur" ein Eingriff wie eine Blinddarm-OP, sondern emotional hoch aufgeladen. Es geht nicht um den Wurmfortsatz, sondern um die Entscheidung, schwanger zu sein oder nicht.
All diese Prozesse sind ohne Frage Stressoren für eine Frau, die sich bereits in Entscheidungsnöten befindet. Dazu kommt die körperliche Anspannung eines medizinischen Eingriffes. Wir wissen von Frauen, die nach einer Entbindung verletzlicher sind. Die Seele liegt blank. Zu mir kommen immer wieder Frauen, die nach einer Entbindung plötzlich an eine Verletzung aus der Kindheit erinnert wurden. Medizinische Eingriffe können für Menschen mit einem Trauma also retraumatisierend wirken. Das, was bisher gut verborgen war, schießt plötzlich an die Oberfläche.
Aus meiner Praxiserfahrung heraus vermute ich, dass ähnliches bei einem Abbruch geschehen kann. Potenzieren sich hier also Faktoren wie ein schwieriger Entscheidungsprozess sowie traumatische Vorbelastungen ist oft die Basis gelegt, dass auch ein Eingriff als traumatisch erlebt wird oder traumatisierende Folgen hat.
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Bleiben Sie beschützt! Ihre Almut Furchert